Inhalt
- Methodik
- Auswirkungen
- Projekte
Methodik der Unfallforschung der Medizinischen Hochschule Hannover
Die Analysen beruht auf der prospektiv erfassten Datenbank der Verkehrsunfallforschung
der Medizinischen Hochschule Hannover.
Untersuchungsgebiet
Der Untersuchungsraum umfasst die Stadt und den Landkreis Hannover mit
einer Flächenausdehnung von 2.289 km2, wovon etwa 10% als städtisches
Gebiet ausgewiesen sind (Abb. 1). In diesem Gebiet lebten zu Beginn des
Jahres 2000 1,2 Mio. Menschen. Im gesamten Gebiet werden pro Jahr etwa
6.000 Verkehrsunfälle mit Personenschaden polizeilich registriert.
Nach einem statistischen Stichprobenplan werden seit 1988 jährlich
etwa 1.000 von diesen Verkehrsunfällen von der Unfallforschung untersucht.
Von 1972 bis 1987 wurden etwa 300 Unfälle jährlich untersucht.

Abb. 1: Untersuchungsgebiet der Unfallforschung der Medizinischen
Hochschule Hannover.
Statistischer Erfassungsplan
Eingang in die Erhebungen finden Unfälle, die den folgenden Kriterien
entsprechen:
- Verkehrsunfall mit Personenschaden
- Der Unfall liegt innerhalb des Erfassungsgebietes
- Der Unfall ereignet sich innerhalb der Erfassungszeit
Die Unfalldokumentation erfolgt täglich während zwei 6-stündiger
Einsatzschichten, die wöchentlich wechseln:
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eine Woche:
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0
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bis
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6
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Uhr
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und
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12
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bis
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18
|
Uhr
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die nächste Woche:
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6
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bis
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12
|
Uhr
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und
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18
|
bis
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24
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Uhr
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Dadurch ist es möglich, über das ganze Jahr verteilt,
gleiche Tageszeitintervalle in die Erhebung einzubeziehen.
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Alarmierung und Anfahrt
Die Alarmierung erfolgt direkt über den Polizeifunk, der
vom Erfassungsteam im Funkraum der Unfallforschung abgehört wird.
Bei Beginn der Schicht wird bei der ersten Meldung eines Verkehrsunfalls
mit Personenschaden ausgerückt. Nach abgeschlossener Untersuchung
der Unfalls und Wiedereintreffen in den Räumen der Unfallforschung
wird zum nächsten gemeldeten Unfall abgerückt usw.. Die Anfahrt
zum Unfallort erfolgt in einem der Fahrzeuge der Unfallforschung (Stand
2000: 2 x Opel Astra Caravan, 2 x VW Caravelle, Abb. 2). Die Fahrzeuge
sind mit Sondersignal ausgestattet und dürfen sich mit „Wegerecht“
im Straßenverkehr fortbewegen. Die Anrückzeit beträgt
in 90% der Unfälle unter 10 Minuten.
Wissenschaftliche Erfassungsteams und Datenerfassung
Zur Unfallaufnahme steht in jeder Schicht ein Aufnahmeteam bereit. Es
besteht aus zwei Technikern, einem Mediziner und einem Koordinator. Der
Koordinator hat die Aufgabe, das Team nach dem Stichprobenplan zu leiten.
Die wissenschaftlichen Erfassungsteams setzen sich aus zwei Personen,
einem „Mediziner“ (d.h. Humanmedizinstudent, Ausbildungsstand:
mindestens bestandenes Physikum) und einem „Techniker“ (Maschinenbaustudent,
Ausbildungsstand: mindestens Vordiplom) zusammen. Die Erfassung der medizinischen
Daten erfolgt demnach vor allem durch den „Mediziner“ im Team
und die der technischen Daten durch den „Techniker“. Allgemeine
Daten wie z.B. anthropometrische Daten, Unfallzeit, -ort, etc. werden
gemeinsam erfasst. Bei bewusstlosen oder toten Verkehrsopfern werden die
Daten soweit wie möglich fremdanamnestisch erhoben. Insgesamt werden
ca. 3.000 Informationen pro Unfall gesammelt.

Abb. 2: Einsatzfahrzeuge der Unfallforschung der Medizinischen
Hochschule Hannover.
Allgemeine Daten
Hierzu gehören Unfallzeit und Unfallort, Alter, Geschlecht, Größe,
Gewicht, Zweck des Weges (d.h. auf dem Weg zur Schule, Arbeit, Einkaufen,
etc.).
Medizinische Daten
Sämtliche Einzelverletzungen werden soweit wie möglich direkt
am Unfallort erfasst. Außerdem werden eventuelle Vorerkrankungen
oder frühere Verletzungen erfragt. Die Verletzten werden von den
Teams an die erstversorgende medizinische Institution begleitet oder verfolgt
und mit Hilfe des dortigen Fachpersonals wird die am Unfallort begonnene
Verletzungserfassung vervollständigt. Zu diesem Zeitpunkt wird auch
mit der Verletzungsklassifikation begonnen. Dabei werden folgende Scores
und Einteilungen obligat oder fakultativ dokumentiert:
Abbreviated Injury Scale (AIS) (obligat)
Die Abbreviated Injury Scale (AIS) ist eine weltweit gültige Klassifikation
für Einzelverletzungen [1]. Die Klassifikation ist nach Körperregionen
geordnet und jede Verletzung wird durch einen 7-stelligen Code beschrieben.
Die letzte Zahl des Codes beschreibt die Verletzungsschwere. Die Skala
hierfür reicht von 1 bis 6. AIS 1 entspricht einer leichten Verletzung
und AIS 6 einer Verletzung die nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand
nicht behandelbar ist und mittelbar zum Tod führt. Tabelle 2 zeigt
die AIS Einteilung für Fußfrakturen.
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AISFUß
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AIS 1:
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Zehenfrakturen, leichte bis mittelschwere Weichteilverletzung
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AIS 2:
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alle Fußfrakturen außer Zehenfrakturen und schweren
Luxationsfrakturen (vgl. AIS 3), schwere Weichteilverletzung
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AIS 3:
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OSG Luxationsfrakturen mit hinterem Volkmanndreieck, Chopart-/Lisfranc-Luxationsfrakturen,
schwerster Weichteilschaden, traumatische Amputation
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Maximum AIS (MAIS) (obligat)
Der Maximum AIS (MAIS) entspricht dem höchsten AIS der Verletzten
Person [1]. Nach dem MAIS werden die Verletzungsgrade wie folgt definiert:
MAIS 0 als „unverletzt“, MAIS 1 als „leicht verletzt“,
MAIS 2 bis 4 als „schwer verletzt“ und MAIS 5 und 6 als „schwerst
verletzt“.
Injury Severity Score (ISS) (obligat)
Die Gesamtverletzungsschwere wird anhand des Injury Severity Score (ISS)
klassifiziert [2]. Der ISS errechnet sich aus der Summe der Quadrate der
drei höchsten Einzel-AIS-Werte eines Verletzten (z.B.: ein Verkehrsteilnehmer
erleidet folgende Einzelverletzungen: eine Verletzung AIS 4, eine Verletzung
AIS 3 zwei Verletzungen AIS 2 und eine Verletzung AIS 1; ISS = (4)2 +
(3)2 + (2)2 = 29). Verletzte mit einem ISS ? 25 werden als „polytraumatisiert“
definiert.
Hannover Polytrauma Schlüssel (PTS) (fakultativ)
Bei Verletzten, die in der Unfallchirurgische Klinik der Medizinischen
Hochschule erstbehandelt werden (etwa 30% aller erfassten Patienten) wird
der Hannover Polytrauma Schlüssel (PTS) ermittelt [6]. Dieser Score
klassifiziert die Gesamtverletzungsschwere auf anatomischer Basis wie
der ISS. Zusätzlich geht in den Gesamtscore aber auch das Lebensalter
des Patienten mit ein.
Weichteilschaden nach Tscherne (fakultativ)
Der „Weichteilschaden nach Tscherne“ ist ein Score zur Klassifikation
des Weichteilschadens bei Frakturen [25]. Der Score umfasst vier Schweregrade
für geschlossene (C 0, C I, C III, C III) und offene (O I, O II,
O III, O IV) Frakturen.
Weitere Scores (fakultativ)
Je nach verletzter Körperregion werden folgende Scores erhoben:
- Glasgow Coma Score (GSC) [23]
- Klassifikation der Frakturen der langen Röhrenknochen der Arbeitsgemeinschaft
für Osteosynthese (AO) [5].
- Klassifikation von Beckenringverletzungen nach Pennal und Tile [8].
Unfalltechnische Daten
Zu den erhobenen unfalltechnischen Daten gehören neben Art der Verkehrsteilnahme,
Sitzposition, Anschnallstatus, Airbagschutz, etc. die folgenden speziellen
unfalltechnischen Parameter:
Kollisionsart
Bei Fahrzeugbenutzern wird zwischen Frontal-, Seit- und Heckkollision,
Überschlag und Unfällen mit mehrfachen Kollisionen unterschieden.
Die Kollisionsart wird anhand der Fahrzeugbeschädigung ermittelt.
Bei Fußgängern wird die Anprallrichtung (ventral, lateral,
dorsal, etc.) ermittelt.
Impulswinkel, Body Impact Angle, Head Impact Angle
Der Anstoß des Fahrzeugs ereignet sich unter dem Impulswinkel, d.h.
unter diesem Winkel werden die Kräfte auf Fahrzeug und Insassen wirksam.
Der Impulswinkel beschreibt die Richtung der Krafteinwirkung wesentlich
genauer als die Kollisionsart. So kann z.B. bei einem Frontalanprall die
Richtung der Krafteinwirkung d.h. der Impulswinkel auch schräg oder
sogar in seitlicher Richtung verlaufen. Die Impulswinkel werden in zwölf
Gruppen mit einem Bereich von je 30° eingeteilt. Ein Anprall von 180°
(?15°) entspricht einem von vorn nach hinten gerichteten Anprall.
Bei Fußgängern, Radfahrern und speziell bei Motorradaufsassen
wird der Body Impact Angle ermittelt, d.h. der Winkel zwischen Körperlängsachse
und der Fläche auf welche der Aufprall erfolgt. Bei Motorradaufsassen,
Radfahrern und Fußgängern wird bei Kopfverletzungen der Head
Impact Angle, d.h. Lokalisation und Richtung eines Anpralls am Kopf.
Delta-v, Kollisionsgeschwindigkeit
Bei Fahrzeuginsassen und Motorradaufsassen stellt die Geschwindigkeitsänderung
Delta-v infolge der Kollision den wichtigsten Parameter für die Unfallschwere
dar. Delta-v lässt sich retrospektiv aus dem Deformationsausmaß,
der am Unfallort ausgemessenen Brems-/Schleuderdistanzen und der Kollisions-
und Endstellungen der PKW ermitteln. Für Fußgänger mit
normalerweise vernachlässigbarer Eigengeschwindigkeit ist die Kollisionsgeschwindigkeit
des Fahrzeugs bedeutsam. Bei Fahrradfahrern kommt es einerseits zu Stürzen
ohne direkte Beteiligung mit dann entsprechendem Delta-v als Unfallschwereparameter
und auch zu Kollisionen mit wesentlich schnelleren motorisierten Fahrzeugen
mit dann entsprechend zu berücksichtigender Kollisionsgeschwindigkeit
des motorisierten Fahrzeugs.
Fahrzeugdeformierung
Das Deformierungsausmaß geschlossener Fahrzeuge wird mit einer 10-stufigen
Skala (0-9) determiniert. „0“ entspricht fehlender Deformierung
und „9“ entspricht einer Deformierung, welche die Fahrgastzelle
zur Hälfte verkleinert, d.h. bei seitlichem Anprall bis zur Fahrzeugmitte
und bei Frontalanprall bis zur B-Säule. Zusätzlich wird das
Ausmaß der Fußraumdeformierung ermittelt und in vier Gruppen
eingeteilt (keine, gering, mäßig, stark). Bei einer starken
Fußraumdeformierung erreicht das Bodenblech die Sitzfläche
des Vordersitzes.
Deformierungsrichtung des Fußraums
Die Deformierungsrichtung des Fußraums wird anhand des Verformungsmusters
ermittelt und in anterior, anterolateral, lateral, posterolateral, posterior,
posteromedial, medial und anteromedial eingeteilt.
Weitere unfalltechnische Parameter
Zur genauen technischen Unfallrekonstruktion dienen weiterhin eine große
Anzahl von Parametern wie Brems-, Schleuderdistanzen, Energetisch Äquivalente
Geschwindigkeit (EES), Vermeidungsgeschwindigkeit, etc..
Auswirkungen der Unfallforschung auf Behandlung und Verlauf bei Verkehrsunfallverletzten
Bei der Behandlung aller Verletzungen spielt der Unfallhergang und -mechanismus
eine entscheidende Rolle, da davon Verletzungsmuster, -art, -typ und -schwere
und damit Behandlung und Verlauf abhängen [24]. An der Unfallchirurgischen
Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover werden seit 1972 Erhebungen
am Unfallort im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen
durchführt. Ein interdisziplinär aus Technikern und Medizinern
bestehendes Team beginnt bereits am Unfallort mit der Dokumentation von
Fahrzeugbeschädigungen und Verletzungen. Dabei wird der Verletzte
bereits vor der einsetzenden ärztlichen Behandlung begutachtet, die
weiteren medizinischen Maßnahmen am Unfallort und in der Klinik
dokumentiert und die Verletzungen im Detail nach Art, Lokalisation und
Schwere AIS klassifiziert. Somit kann das Outcome der Verletzungsfolgen
dem technischen Unfallablauf zugeordnet und Schwerpunkte für eine
wirksame Unfallfolgenvermeidung erkannt und aufgezeigt werden. Die Erkenntnisse
aus dieser In-depth Forschung konnten auch für die Patientenversorgung
auf vielen Gebieten genutzt werden [7,9,10,11,12,14,15,16,17,18,20]. Darüber
ergab natürlich die durch effiziente Forschungsarbeiten erzielte
verringerte Verletzungsschwere bei Verkehrsunfällen eine Verbesserung
der Verkehrssicherheit [7,9,10,11,12,14,15,16,17,18,20,21].
An dieser Stelle sollen die aus medizinischer Sicht festzustellenden Auswirkungen
der Unfallforschung auf Behandlung und Verlauf bei Verkehrsunfallverletzten
an der Medizinischen Hochschule Hannover in unterschiedlichen Gebieten
aufgezeigt werden.
Kopfverletzungen
Kopfverletzungen treten am häufigsten bei den so genannten äußeren
Verkehrsteilnehmern (Fußgänger, Fahrradfahrer, motorisierte
Zweiradbenutzer) auf. Ein wirksamer Schutz vor Kopfverletzungen stellt
der Schutzhelm dar, der bei Motorradfahrern seit 1976 zur Benutzung vorgeschrieben
ist. Zur begleitenden Einführung dieser gesetzlichen Vorgabe dienen
wissenschaftliche Studien der MHH [20] in den 70er Jahren. Motorradaufsassen
haben auch am Kopf die mit Abstand höchste Unfallschwere meisten
die Mortalität bestimmenden Verletzungen zu verzeichnen [7,14]. Es
liegt also nahe, Kopfverletzungen auch bei dieser Gruppe weiterhin zu
untersuchen. Das war Gegenstand einer durch die Europäische Gemeinschaft
geförderten Studie (COST 327). Bei der unfalltechnischen und medizinischen
Untersuchung von 115 Motorradaufsassen mit Kopfverletzungen AIS 2+ konnte
der Verletzungsmechanismus untersucht und mit den Verletzungen korreliert
werden [1,14]. Bei dieser Studie konnte dann ein neuer Algorithmus für
die Einteilung des Verletzungsmechanismus von Kopfverletzungen in „Direkte
Krafteinwirkung“ und „Indirekte Krafteinwirkung“ entwickelt
und angewendet werden. Danach beruhen Hautverletzungen und Brüche
meist auf direkter Krafteinwirkung und Verletzungen des ZNS vor allem
auf indirekter Krafteinwirkung. 205 verschiedene Verletzungen wurden erfasst
und analysiert. 65% davon waren durch direkte und 35% durch indirekte
Krafteinwirkung entstanden. Von den Verletzungen waren 21% Brüche,
51% ZNS-Verletzungen und 28% Hautverletzungen. Die Läsionen am Helm
und vor allem die Unfallrasanz erlaubten Aussagen über die Auftretenswahrscheinlichkeit
von Brüchen und Verletzungen des zentralen Nervensystems (ZNS). Damit
erlaubt die unfalltechnische Analyse Vorraussagen für die Art der
Kopfverletzung und spielt damit auch bei Diagnostik und Behandlung eine
Rolle [14]. Es konnte herausgearbeitet werden, dass die Rotation als Wirkmechanismus
der Hirnverletzung mit % selten eintritt. Bei Verletzungen des ZNS erlaubt
die Analyse der Unfallrasanz, d.h. der Kollisionsgeschwindigkeit und der
Kopfanprallgeschwindigkeit, eine Vorhersage für den Verlauf [14].

Abb. 1: Kinetische Auswirkungen der einwirkenden Kräfte
bei 409 Läsionen der Kopfregion bei 81 Motorradaufsassen mit AISKopf
2+.
Beschwerden nach Beschleunigung der Halswirbelsäule
Beschwerden nach Beschleunigung der Halswirbelsäule, im Volksmund
als „Schleudertrauma“ bezeichnet, sind die häufigste
Ursache für die Inanspruchnahme unfallchirurgischer Diagnostik und
Behandlung überhaupt [3,4,13,16]. Der Verletzungsmechanismus für
das Auftreten dieser Beschwerden ist trotz zahlreicher Studien und mehr
als 13.000 bisher weltweit erschienenen wissenschaftlichen Publikationen
unbekannt [3,4]. Im Rahmen eigener, auf den Daten der Erhebungen am Unfallort
basierenden epidemiologischen Untersuchungen zeigen sich eindeutig Einflüsse
psychologischer Faktoren [3,4]. Bei einer unfalltechnischen und medizinischen
Analyse von mehr als 1.000 Unfallbeteiligten mit Beschwerden nach Beschleunigung
der Halswirbelsäule hatten Unfallmechanismus- und schwere genauso
wie klinische Befunde keinen Einfluss auf Beschwerdeausmaß und -dauer
[16]. Dies bestätigt den Verdacht auf den Einfluss psychologischer
Faktoren. Um diesen Einfluss zu klären reicht aber die alleinige
Untersuchung psychologischer Faktoren nicht aus, sondern es muss das Zusammenwirken
von unfalltechnischen, klinischen und psychologischen Parametern untersucht
werden [16]. Hierzu führten wir eine Variablenanalyse aller Parameter
durch und konnten damit den Einfluss der psychologischen Faktoren erstmals
beweisen [13]. Danach war der Einfluss psychologischer Faktoren auf Beschwerdeausmaß
und -dauer höher als die unfalltechnischen oder klinischen Parameter.
Gleichzeitig haben andere Studien den negativen Effekt somatischer Diagnostik
und Behandlung, insbesondere der Ruhigstellung gezeigt [3,4]. Basierend
auf diesen Erkenntnissen haben wir unseren Behandlungsalgorithmus für
Beschwerden nach Beschleunigung der Halswirbelsäule innerhalb der
MHH modifiziert: Nach Ausschluss knöcherner Verletzungen und diskoligamentärer
Instabilitäten führen wir keine weiterführende Diagnostik
mehr durch und leiten prinzipiell keine Behandlung ein. Insbesondere die
Ruhigstellung mit Zervikalorthesen bleibt Fällen mit extremen Beschwerden
vorbehalten und wird, wenn überhaupt, nur mit harten Zervikalorthesen
durchgeführt. Darüber hinaus leiten wir frühzeitig eine
psychosomatische Diagnostik und Behandlung ein. Basierend auf unseren
Erkenntnissen wird von der Arbeitsgemeinschaft „Prävention
von Verletzungen“ der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
e.V. ein neuer Algorithmus für Diagnostik und Behandlung erarbeitet.

Abb. 2: Entscheidungsbaumanalyse mit CART™ (Classification
and Regression Trees) von 32 gurtgeschützten PKW-Frontinsassen mit
isolerten Beschwerden nach Beschleunigung der HWS. Unfalltechnische Parameter,
klinische Befunde und psychologische Faktoren wurden als mögliche
prognostische Faktoren in die Analyse eingeschlossen. Statistisch relevant
für das Beschwerdeausmass („Maximum extent of complaint“
nach VAS - Visual Analog Skala) waren nur psychologische Faktoren (FSRSK3,
SF36SFT, ALLTAG1) und nicht unfalltechnische Parameter oder klinische
Befunde.
Thoraxverletzungen
Thoraxverletzungen sind für den Krankheitsverlauf häufig von
wesentlicher Bedeutung, da neben knöchernen Verletzungen auch innere
Traumata vorliegen können, die das Outcome der Verletzungsfolgen
für die Patienten entscheidend beeinflusst. Der Zusammenhang zwischen
Unfallschwere, Ausmaß der Thoraxverletzung und klinischem Verlauf
bei PKW-Insassen wurde untersucht, um prognostische unfalltechnische Faktoren
zu isolieren [10]. Bei 12.310 ausgewerteten Verkehrsunfällen wurden
9.087 (43%) der 21.097 PKW-Insassen verletzt. Davon erlitten 10,7% (n=976)
eine Thoraxverletzung AIS 2+. Bei 117 der Thoraxverletzten wurde der klinische
Verlauf analysiert. Die mittlere Intensivliegezeit betrug 10,6 Tage, die
Beatmungsdauer 7 Tage und der Klinikaufenthalt 20,6 Tage. Die Analyse
zeigte eine hohe Thorax-, Gesamtverletzungsschwere und Unfallschwere.
Verletzungsschwere und Behandlungsdauer korrelierten mit Delta-v als wesentlichem
Unfallschwereparameter. Die unfalltechnische Analyse erlaubt damit Vorhersagen
über Verletzungsschwere (AIS) und klinischen Verlauf (Intensivliegezeit
und Dauer Klinikaufenthalt). Weiterhin richtet sich auch die Behandlung
auf die Bewertung dieser Erkenntnisse, inwiefern eine Indikation zur intensivmedizinischen
Behandlung, maschinellen Beatmung und/oder kinetischen Therapie besteht
[10].

Tab. 1: Korrelation zwischen Verletzungsschwere (AISTHORAX, PTS
- Polytraumaschlüssel, ISS - Injury Severity Score) der klinischem
Verlauf (hospital time - Krankenhausbehandlungsdauer, ICU time - Dauer
Intensivstationsbehandlung, ventilation time - Dauer maschinelle Beatmung)
und Unfallschwere (Delta-v, Extent of passenger compartment deformation
- Ausmass Deformierung Fahrgastzelle) bei PKW-Insassen mit AIS Thorax
2+.
Beckenverletzungen
Der Verkehrsunfall ist die Hauptverletzungsursache für Beckenfrakturen
[11]. Die Behandlung ist schwierig und wird wesentlich von der ersten
Klassifikation beeinflusst. Die Einteilung der Beckenringverletzungen
wird heute nahezu übereinstimmend nach dem Unfallmechanismus vorgenommen.
Im wesentlichen werden antero-posteriore Kompression mit daraus resultierender
vertikaler Beckenringinstabilität, laterale Kompression mit Rotationsinstabilität
und vertikale Scherverletzung mit kombinierter vertikaler und Rotationsinstabilität
unterschieden. Anhand von Röntgenbildern in Verbindung mit dem klinischen
Aspekt kann in der Regel ohne Schwierigkeiten eine Frakturklassifikation
erfolgen. Der tatsächliche Unfallmechanismus und die real einwirkenden
Kräfte bleiben dabei jedoch meist unbekannt und werden bei der Erstellung
der Klassifikation lediglich anhand der Röntgenaufnahmen postuliert.
Im Rahmen einer unfalltechnischen und medizinischen Untersuchung von 306
Verkehrsunfallverletzten mit einer Beckenringverletzung AIS 3+ wurde der
Zusammenhang von Unfallmechanismus und Klassifikation der Beckenringverletzung
evaluiert. Zur Abschätzung der real einwirkenden Kräfte wurde
die Verletzungsklassifikation durch einen erfahrenen Unfallchirurgen vorgenommen
und die Unfallbelastung durch Ingenieure im Team der Erhebungen am Unfallort
aus realen Verkehrsunfällen ermittelt und durch klinische Analysen
ergänzt. In 139 (45%) Fällen erfolgte die Klassifikation der
Beckenringverletzung nach PENNAL und TILE, verbunden mit einer vollständigen
technischen Rekonstruktion der Unfallbelastungen Delta-v und Kollisionsgeschwindigkeit.
52% waren danach Typ A-, 27% Typ B- und 21% Typ C-Verletzungen. Bei höheren
Geschwindigkeiten bzw. Unfallbelastungen stieg der Anteil der B- und C-Verletzungen.
Es zeigte sich, dass neben weiteren Verbesserungen der passiven Sicherheit
zur Verminderung oder Vermeidung von Beckenringverletzungen eine Verringerung
der „Unfallschwere“ notwendig ist. Unter Berücksichtigung
aller technischen und klinischen Parameter wurde eine Rekonstruktion des
tatsächlichen Unfallmechanismus von Beckenringverletzungen ermöglicht.
Damit wurde die Klassifikation und damit die Entscheidung für die
adäquate Behandlung erleichtert [11]. Da die adäquate Behandlung
von der korrekten Klassifikation abhängt, lässt sich durch die
unfalltechnischen Analysen das Ausheilungsergebnis optimieren.

Abb. 3: Verteilung Typs der Beckenringverletzungen (Pennal and
Tile) bei Verkehrsteilnehmern und Richtung der Krafteinwirkung im Verhältnis
zum Becken (anterior: A, posterior: P, links: L, rechts: R, unbekannt:
U).
Armverletzungen
Bei verbesserter passiver Sicherheit der PKW sind körpernahe Verletzungen
seltener geworden, Verletzungen der Extremitäten treten bei PKW-Insassen
immer mehr in den Vordergrund [12]. Die Behandlung von komplexen Armverletzungen
ist nach wie vor nicht unproblematisch [12]. Der Prävention von Armfrakturen
kommt damit in auch Zukunft eine wichtige Bedeutung zu. Bei einer unfalltechnischen
und medizinischen Untersuchung von 232 PKW-Frontinsassen mit Frakturen
der oberen Extremität entstanden über die Hälfte aller
Frakturen im Rahmen eines Direktanpralles von Hand und/oder Arm beim Frontalanprall.
Der Vergleich zwischen Fahrer und Beifahrer zeigte, dass weder das Lenkrad
noch die asymmetrische Anordnung des Armaturenbretts eine wesentliche
Rolle in Bezug auf das Risiko von Armverletzungen spielen. Dagegen könnte
eine verbesserte Energieabsorption durch Polsterung des Armaturenbrettes
und der Türfläche Verletzungen vorbeugen. Die Intrusion bei
Deformation der Tür von lateral stellt einen wesentlichen verletzungsverursachenden
Faktor dar. Seiten- und Front-Airbags könnten zur Senkung des Frakturrisikos
beitragen. Bisher ließ sich aufgrund geringer Fallzahlen von airbag
geschützten Verkehrsunfallverletzten die präventive Wirkung
des Airbag auf Frakturen der oberen Extremität nicht abschätzen.
Weitere Untersuchungen müssen zeigen, welche Rolle zusätzliche
Belastungen durch einen sich entfaltenden Luftsack spielen. Insgesamt
ist durch eine verbesserte passive Fahrzeugsicherheit auch mit geringerer
Verletzungsschere und -komplexität für den Bereich der oberen
Extremitäten und damit besserem Behandlungsergebnis bei Armfrakturen
zu rechnen.

Abb. 4: Verletzungsmechanismen der unterschiedlichen
Armregionen von 95 der 179 angeschnallten verletzten PKW-Fahrern mit Armfrakturen.
Fußverletzungen
Die Diagnostik und vor allem die Behandlung von Frakturen des Mittelfußes
ist auch heute noch problematisch. Insbesondere Luxationsfrakturen des
Chopart- und/oder Lisfranc-Gelenks beeinträchtigen die gesamte Fußfunktion
und führen zu erheblichen Langzeitfolgen [19]. Wegen der schlechten
Prognose der Frakturen des Mittelfußes trotz optimaler Behandlung
spielt die Verletzungsprävention eine bedeutende Rolle. Da die Frakturen
des Mittelfußes überwiegend bei PKW-Insassen auftreten, drängt
sich eine weitere Analyse dieser Verletzungssituation auf, die im Rahmen
einer unfalltechnischen und medizinischen Studie Ende der 80er Jahre durchgeführt
[14] und in den 90er Jahren überarbeitet wurde [21]. Bei dieser neueren
Studie zeigte sich zwar eine Verbesserung der Fahrzeugsicherheit in den
90er Jahren. Trotz steigender Unfallschwere (Delta-v) war im Vergleich
zu den 80er Jahren eine geringere Gesamtverletzungsschwere (Injury Severity
Score) der Personen mit Fußfrakturen zu verzeichnen. Frakturen der
Fußregion treten jedoch in unveränderter Häufigkeit und
Verletzungsschwere (AISFuß) auf. Diese werden
meist durch die Deformierung der Fußraums bei Frontalkollisionen
verursacht. Besonders bei Frakturen des Mittelfußes spielt die Fußraumdeformierung
die entscheidende Rolle. Eine Verringerung der Fußraumdeformierung
ist daher zur Prävention essentiell. Trotz der umfangreichen technischen
Untersuchung unter Einbeziehung vieler Parameter bleibt der genaue Verletzungsmechanismus
besonders der Frakturen des Mittelfußes unklar. Um eine weiterführende
Prävention zu ermöglichen, war daher eine genauere Analyse des
Verletzungsmechanismus im Rahmen von experimentellen Studien nötig
[20]. Mit einem Setup zur experimentellen Analyse des Verletzungsmechanismus
von Frakturen des Mittelfußes konnten reproduzierbar Frakturen des
Mittelfußes erzeugt werden. Der analog zum realen Unfallgeschehen
bei PKW-Frontinsassen tangential zur Chopart-Gelenkfläche und senkrecht
zur OSG-Fläche gerichtete Anprall verursachte völlig unerwartet
höhere Kräfte im Chopartgelenk als im OSG, und dies besonders
bei auftretenden Frakturen des Mittelfußes. Diese Unterschiede lassen
sich nur mittels permanenter Druckmessung mit hoher Abtastrate erkennen.
Eine Modifikation des aktuellen Fußdummys mit einer zusätzlichen
Kraftmessdose im Mittelfußbereich zur Registrierung von Kräften
in der Fußlängsachse ist sinnvoll. Der Dummy könnte mit
dem vorgestellten Versuchsaufbau entwickelt und kalibriert werden. Mit
dieser Modifikation würde eine realitätsnähere Überprüfung
verbesserter Präventivmaßnahmen in PKW ermöglicht.
Insgesamt bestehen für den Fußbereich erhebliche weitere Verbesserungsmöglichkeiten
der passiven Fahrzeugsicherheit. Damit ist eine weitere Verringerung der
Verletzungskomplexität und -schwere und damit auch Vereinfachung
der Behandlung und Verbesserung des Ausheilungsergebnisses zu erwarten
[18,19,20].

Abb. 5: Verletzungsschwere von Fußverletzungen
(AIS Fuß) bei 261 gurtgeschützten PKW Frontinsassen in Abhängigkeit
vom Verformungsgrad des Fußraums.
Verletzungen bei Kindern
Kinder sind aufgrund ihrer Physiognomie, speziell des ungünstigen
Kopf-Körper-Verhältnisses, sowie einer geringeren Körpergröße
und Gewicht einer besonderen Verletzungsgefährdung unterworfen. Statistiken
fassen Kleinkinder, Schüler und Jugendliche bis zum Abschluss des
15. Lebensjahres als „Kinder“ zusammen. In Deutschland werden
jährlich etwa 50.000 Kinder im Straßenverkehr verletzt, 1998
wurden 304 getötet. Trotz sinkender Absolutzahlen machen Kinder in
Deutschland auch heute noch 5% aller Verkehrstoten aus [22]. Es folgte
eine aktuelle unfalltechnische und medizinische Analyse der Verletzungssituation
bei 2.317 im Straßenverkehr verunfallten Kindern [15]. Dabei waren
bei Kindern Kopf und untere Extremitäten am meisten betroffen. Diese
Körperregionen waren darüber hinaus häufiger betroffen
als bei Erwachsenen. Die Behandlung von Kopfverletzungen ist bei Kindern
ähnlich problematisch wie bei Erwachsenen. Dagegen ist die Behandlung
von Verletzungen der unteren Extremitäten bei Kindern ein wesentlich
schwerwiegenderes Problem als bei Erwachsenen, da bei Kindern häufig
Wachstumsfugen verletzt werden. Dadurch werden an Diagnostik und Behandlung
besondere Anforderungen gestellt um späteres Fehlwachstum zu vermeiden.

Abb. 6: Verletzungshäufigkeit der einzelnen Körperregionen
bei Kindern (bis 14 Jahre, n=2.317) und Älteren (15 bis 65 Jahre,
n=26.416).
Verletzungen bei Senioren
Verletzungen im Alter haben schwerwiegendere Konsequenzen (schwierigere
Behandlung, höhere Kosten, schlechteres Outcome) als bei Jüngeren.
Deshalb spielt die Prävention eine besondere Rolle. Die häufigsten
Verletzungsursachen sind Verkehrsunfälle und Stürze. Um eine
Datengrundlage des aktuellen Zustandes zu schaffen, wurden unfalltechnische
und klinische Untersuchungen an 1.843 verkehrsunfallbeteiligten Senioren
durchgeführt [9]: Senioren (ab 65 Jahre) haben im Straßenverkehr
ein höhere Verletzungsinzidenz und -schwere als Jüngere, speziell
als Fahrradfahrer und Fußgänger. 80% aller Verletzungen entstanden
durch direkten Anprall.
Meist ist der Sturz Folge des Zusammenwirkens mehrerer Faktoren. Wichtigste
Sturzprädiktoren sind Demenz, Parkinson-Syndrom und neurologische
Defizite nach Schlaganfall. Die wichtigsten Symptome, die auf eine Sturzgefährdung
hinweisen, sind Gangstörungen, Balanceprobleme und Untergewicht.
Die wichtigsten anamnestischen Angaben sind Sturzanamnese (mehr als ein
Sturz in den letzten 90 Tagen) und Unterstützungsbedarf bei den Aktivitäten
des täglichen Lebens sowie Medikamenteneinnahme (Psychopharmaka).
Häusliche bzw. institutionelle Gefahrenquellen (Beleuchtung, Badeinrichtung,
Fußbodenbeschaffenheit und Treppen) sind die herausragenden Umweltfaktoren.
Beim Vorliegen mehrerer Faktoren addiert oder potenziert sich das Risiko.
Die effektivsten Interventionen haben multimodale Ansätze. Es lässt
sich eine Reduktion der Sturzinzidenz um 30% erreichen. Hüftprotektoren
sind ein wirksamer Schutz gegen proximale Femurfrakturen, welche die häufigste
stationär versorgte Fraktur im Alter darstellen.
Die Prävention von Verletzungen im Alter ist eine interdisziplinäre
Aufgabe, wie z.B. der Erfolg der „Fall Clinics“ im angloamerikanischen
Raum belegt [9].

Abb. 7: Hüftprotektor
Zusammenfassend hat die Unfallforschung erhebliche Auswirkungen auf den
Klinikalltag. Das betrifft einerseits die Verminderung von Verletzungshäufigkeit
an sich und andererseits Verminderung der Verletzungsschwere, die nicht
mindere Bedeutung hat. Durch die Verminderung der Verletzungshäufigkeit
bleibt die Gesamtzahl der Verletzten trotz gesteigerter Mobilität
konstant oder sinkt sogar. Durch die Verminderung der Verletzungsschwere
wird aber darüber hinaus der Krankheitsverlauf und das Ausheilungsergebnis
erheblich beeinflusst. Dabei ist vor allem die Vermeidung von besonders
beeinträchtigenden Verletzungen, wie z.B. Kopfverletzungen bei Motorradfahrern
besonders hervor zu heben. Auch die Verminderung der Verletzungsschwere
von Fußverletzungen bei PKW-Insassen hat erhebliche Auswirkungen
auf beispielsweise die Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit als Ausdruck
eines besonders guten Behandlungsergebnisses. Andere Erkenntnisse der
Unfallforschung wie z.B. beim Thoraxtrauma erlauben sogar eine Steuerung
und Vorhersage der notwendigen Behandlung wie Beatmungsdauer.
Insgesamt unterstützt die Unfallforschung den unfallchirurgischen
Bereich der Medizin wesentlich und unverzichtbar.
|
Literatur
|
|
1.
|
American Association for Automotive Medicine (1995) Abbreviated
Injury Scale - Revision 90. Am Ass F Autom Med , Morton Grove, Illinois,
USA
|
|
2.
|
Baker ST, O'Neill B, Heddon W, Long EB (1974) The Injury Severity
Score: A method for describing patients with multiple injuries and
evaluating emergency care. J Trauma 14187-195
|
|
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Projekte
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Manuskripte bei mir)
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Frakturen der Fussregion bei gurtgeschützten PKW-Insassen
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Originalarbeit / Original
Article Unfallchirurg 1999.pdf
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Manuskript / Original Article
J Orthop Trauma 2001.pdf
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Beschleunigungsverletzung der HWS bei gurtgeschützten
PKW-Insassen
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Originalarbeit / Original
Article Unfallchirurg 2000.pdf
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Originalarbeit / Original
Article Orthopäde 1999.pdf
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Originalarbeit
/ Original Article Eur Spine J 1999.pdf
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Übersichtsarbeit
/ Review Article Orthopade 2001.pdf
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Abstract Trauma 2000, Hannover.pdf
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Manuskript
Deutsch / Manuscript German 1999.pdf (Tab.
2)
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Manuskript Englisch
/ Manuscript English 1999.pdf
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Beckenringverletzungen im Strassenverkehr
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Originalarbeit /
Original Article Unfallchirurg 2000.pdf
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Originalarbeit / Original
Article J Trauma 2000.pdf
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Abstract J Orthop Trauma
2000
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Frakturen der Armregion bei gurtgeschützten PKW-Insassen
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Originalarbeit / Original
Article Unfallchirurg 2000.pdf
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Originalarbeit / Original
Article J Trauma 2000.pdf
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Abstract J Orthop
Trauma 2000
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Thoraxverletzungen bei gurtgeschützten PKW-Insassen
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Originalarbeit /
Original Article J Trauma 2001.pdf
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Abstract AAST 2000.pdf
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Verletzungssituation von Kindern im Strassenverkehr
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Originalarbeit / Original
Article.pdf
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Abstract OTA 2000.pdf
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Abstract Eur J Trauma
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Verletzungssituation von Senioren im Strassenverkehr
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Abstract.pdf
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Kopfverletzungen bei helmgeschützten Motorradfahrern
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Originalarbeit / Original
Article J Trauma 2001.pdf
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Airbagschutz
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